Donnerstag, 31. Januar 2013

Reichtum


Hey, stopp! Warte eine Minute. Wo gehe ich jetzt lang? Welchen Weg schlage ich ein? Hilf mir, ich stolpere. Ich sehe nicht, wo ich lang gehe. Es ist neblig. Was tu ich jetzt? Es ist am einfachsten, den bekannten Weg zu gehen, den kenne ich ja schließlich. Die Sackgasse, in die ich mich stürze. Ich glaube, ich habe den ganzen Tag auf dieser Sackgasse verbracht. Aber weißt du was? Ich fühle mich nicht gut damit, weil ich weiß, dass mich dieser Weg nicht zu meinem Ziel führt. Das ist nicht der Weg, den ich zur Besserung gehen muss. Dieser Weg führt nur zu einer Stelle: Tod. Will ich dort hin? Nein, auf keinen Fall. Ich entscheide. Ich möchte leben. Nach acht Jahren lebe ich noch und ich habe die Wahl. Ich habe die Entscheidung. Aber ich muss auch den richtigen Weg gehen. Ja, den harten Weg, aber es ist der einzige Weg, der mich zum Leben führt. Er ist steinig, lang und hart, aber am Ende wartet ein Leben, ein paar Blumen, ein helles Licht. Ich muss nur danach suchen, sie finden und dankbar sein. Dankbarkeit ist wichtig.

Wenn du dich auf das konzentrierst, auf das du dankbar bist, wirst du sehen, dass du reich bist. Ich bin reich. Ich habe viel, wofür ich dankbar sein kann. Ich habe den beste Freund, der so einzigartig und stark ist. Ich habe eine unglaublich starke Mutter, die mich durch dick und dünn begleitet hat und mir die Hoffnung nie genommen hat. Ich habe einen Vater, der mich ständig unterstützt. Ich habe eine Schwester, die mir so viel frisches im Leben gibt, was ich später auch haben möchte. Ich bin die Tante des schönsten Wunders auf der Welt. Ich habe Freunde und Familie, die mich unterstützen.
 Und ich habe ein Team, das mich jeden Tag unterstützt und mit mir kämpft. Sie haben Glauben an mich.
Ich habe so viele Unterstützer, die ich auf meinem Weg sehe. Danke, dass ihr für mich kämpft und mir das zeigt. Wenn ich falle, stürze, dann seid ihr da. Ich werde euch und mir beweisen, dass ich den ganzen Weg gehen kann. Ich soll gesund werden. Ich kann das schaffen. Los jetzt, hoch, den richtigen Weg einschlagen. Steh auf und geh los!

Montag, 28. Januar 2013

Der Teufel auf der Schulter


Es ist nicht einfach, den Fokus zu halten. Ich weiß, dass die Tage sehr schwierig waren. Die Gedanken wurden von der Essstörung kontrolliert und ich wurde völlig gedreht. Es ist gruselig, wie alles läuft, wenn man einmal loslässt. Ich habe aber auf die Bremse getreten, damit ich langsam wieder in den Kampf gehen kann. Es ist ein schwieriger Kampf und ich muss den Kopf wieder einschalten.

Ich muss daran denken, warum ich mich für die Therapie entschieden habe. Ich werde gesund werden und um dorthin zu kommen, muss ich dadurch, wie ich schon oft gesagt habe. Der einzige Weg hinaus führt mitten hindurch. Ich weiß, dass ich die Kraft in mir habe, damit ich die essgestörte Welt verlassen kann. Ich wollte die Krankheit nie in meinem Leben haben. Sie war eine Flucht vor der schwierigen, realen Welt, und seitdem bin ich gefangen. Aber ich bin nicht mehr das kleine, verwundete Mädchen. Ich bin eine Frau, die sich finden möchte. Ich muss mich finden, die Person, ohne den kleinen Teufel auf der Schulter.

Hallo alle zusammen

Ein kleines Lebenszeichen von mir, einfach klicken (Foto)

Werd ich später wieder löschen.
Edit: Foto gelöscht. Wer es dennoch sehen möchte - bei Pushd hochgeladen.

Freitag, 25. Januar 2013

Update und BP-Killer


Ich schätze, ich sollte mit den Neuigkeiten anfangen. Am Mittwoch wollte ich einfach nur einen kleinen Spaziergang vor dem Mittagessen machen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Ich wollte die Straße überqueren und plötzlich kam ein Auto angerast, das nicht mehr ganz bremsen konnte. Ich bin schmerzhaft auf dem Boden gelandet und hatte eine Gehirnerschütterung, ein paar Schürfwunden, eine geprellte Rippe, und viele blaue Flecke an Hüfte, Knie und Knöchel. Zum Glück ist nichts gebrochen und das heilt alles wieder. Jedoch ist der Fahrer abgehauen und konnte nicht mehr gestellt werden. Ich bin aus dem Krankenhaus entlassen worden und bin jetzt wieder in der Klinik.

Davon abgesehen mache ich weiter. Ich halte mich an meinen Essensplan, ruhe mich aus und bin freundlich zu meinem Körper. Ich werde mehr und mehr ich selber. Ich arbeite gerade daran, nicht mehr zu fressen und zu kotzen. Ich habe eine kleine Liste gemacht mit Motivation, damit ich nicht fresse. Vielleicht hilft es anderen ja auch. BP steht für Binge Purge, also fressen und sich übergeben.

BP-Killer:
- ich gewinne nichts dadurch, außer eine falsche Genugtuung der Essstörung. Das ist es nicht wert
- ich gebe so viel Geld für das Essen aus, was direkt im Abfluss landet. Stell dir vor, was ich von dem Geld alles kaufen könnte!
- wenn ich fresse, dann ist nur der erste Bissen genussvoll. Ich sitze dort und muss alles Essen aufessen. Das Übergeben danach ist schmerzvoll und noch mal schmerzvoll. Das ist es nicht wert.
- ich fresse ungefähr zwei Stunden lang. Es nimmt viel Zeit in Anspruch, die ich für sinnvollere Ding verwenden könnte
- wie lange will ich noch hunderte von Euro für Essen ausgeben, das ich doch eh wieder auskotze?
- danach bleibt mir nichts außer Scham und schlechte Gefühle
- denke an die Gefühle, wenn du den Tag geschafft hast
- es ist nicht gut für den Körper und ich muss nett zu ihm sein
- der Körper, den ich aufbauen möchte, soll neu, frisch, gesund und MEINER sein
- ich brauche einen gesunden Körper, um meine Ziele zu erreichen
- die Zähne sind hässlich und beschädigt
- der Drang zu fressen wird weniger werden, je öfter ich es schaffe zu widerstehen

Es gibt so viele Dinge, an die ich denken muss. Dankeschön für eure Kommentare! Mein Freund schaltet sie immer relativ zeitnah frei und ich lese sie mir immer abends durch.

Sonntag, 20. Januar 2013

Die Veränderung des Körpers.


Ich sehe, wie sich mein Körper verändert. Das wird passieren, das passiert, und dennoch ist es so schwierig. Die Krankheit flüstert "Du bist schmutzig, du bist widerlich, du bist nicht gut genug". Ich weiß, dass es nicht wahr ist, aber trotzdem war es jahrelang meine Wahrheit. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, hat sich auch auf mein Gewicht ausgewirkt. Natürlich hat es sich auch auf andere Sachen ausgewirkt, aber letztlich war es das Gewicht, das meine Gefühle bestimmt hat. Ich habe traumatische Dinge erlebt, die ein unschuldiges Kind nicht erleben sollte. Jahrelang habe ich eine Maske getragen, die Maske eines guten Mädchens. Diese Maske ist noch immer da, ich kann sie nicht abnehmen. Ich habe Angst davor, was dann zum Vorschein kommt. Ich habe Angst vor den Wunden in mir drin. Wenn ich zunehme, passiert genau das. Ich lasse meine Krankheit los. Diese Krankheit hat mir geholfen, mit den Gefühlen klarzukommen. Der Schmerz wurde geringer. Jetzt nehme ich wieder zu. Ich versuche es, anders zu sehen. Dass ich einen frischen, gesunden Körper aufbaue. Einen Körper, mit dem ich glücklich sein kein. Ein Körper mit Kraft. Ein Körper, der gut genug ist. Ein Körper, den ich den Rest meines Lebens haben werde. Deshalb muss ich zustimmen und akzeptieren, dass sich mein Körper verändert. Das ist Teil davon, ich selber zu sein. Die inneren Wunden haben nichts mit der Anzahl Kilo zu tun. Diesem Gedanken muss ich mich zuwenden. 
Ich muss den Weg weiter gehen. Ich werde Ärztin sein, eine Mutter. Es gibt so viel, das mich erwartet. Aber das heißt auch, dass ich mich jeden Tag für das Leben entscheide. Das gesunde Leben. Ja, der Körper verändert sich. Er verändert sich auf einem gesunden Pfad, damit ich mein Ziel erreichen kann.


Samstag, 19. Januar 2013

Schöner Tag


Heute möchte ich über meinen Tag schreiben, weil er recht schön war. Das ist nicht häufig so, deshalb muss ich es wertschätzen.

Ich bin um 6.00 Uhr wach geworden und habe mir die Zeit mit ein paar Serien vertrieben. Um 8.00 Uhr gab es Frühstück, danach habe ich mich aufs Sofa gelegt und etwas entspannt. Das freut die Krankheit nicht sehr, wenn ich still liege, obwohl der Magen voller Essen ist (Dreck, in den Augen der Krankheit). Aber ich habe nicht darauf gehört und mich eine Stunde lang ausgeruht. Ich hatte dann die komische Idee, mal ein paar Pfandflaschen von meinen Cola Lights wegzubringen. Also habe ich mich angezogen und bin zum Supermarkt gegangen und habe die Pfandflaschen weggebracht. Ich war noch etwas in der Stadt und um 10.00 Uhr war ich noch nicht zurück in der Klinik, deshalb habe ich mir einen kleinen Salat gekauft (Essenszeit). Ich war noch kurz beim Frisör, war etwas einkaufen und bin dann wieder zur Klinik gegangen.
Nach dem Mittagessen bin ich auf dem Sofa eingeschlafen. Nach einer Zeit bin ich aufgewacht und habe mich zurecht gemacht, weil ich mit meiner Mutter zum Essen ausgehen wollten. Ich habe etwas kleines gegessen, es war nicht leicht, aber es war okay. Danach sind wir noch etwas rumgelaufen.

Ein schöner, normaler Tag!

Freitag, 18. Januar 2013

Macht


Ich zähle die Tage. Es ist wichtig, dass ich die Macht verspüre, deshalb zähle ich die Tage.
18 Tage ohne Selbstverletzung
3 Tage ohne Fressen/Kotzen
18 Tage, seit ich den richtigen Weg eingeschlagen habe

Es ist wichtig, die Tage zu zählen, damit ich auf alles schaue, was ich geschafft habe. Wenn ich auf das schauen würde, was ich nicht geschafft habe, dann würde mir das nicht helfen. Ich muss mich auf das konzentrieren, was ich kann. Ich habe in der Vergangenheit gelernt, dass die Macht ein wunderbares Gefühl ist. So viel schöner, als das Gefühl der Essstörung. Ein Gefühl der Macht, der Erleichterung, die Freude, Hoffnung und Träume.

Ich habe gesehen, dass ich mich auf die Besserung freue. Ich freue mich auf einen gesünderen Körper. Ich habe alle meine "kranken Klamotten" weggepackt und dafür normale Klamotten (Größe XS) rausgeholt, damit ich sehe, dass etwas nicht richtig läuft, wenn die Klamotten nur so schlabbern. Wenn ich einen gesünderen Körper habe, werden die Klamotten besser sitzen. Darauf freue ich mich. Ich stelle mir vor, wie ich in einem normalen Laden einkaufen kann und nicht in der Kinderabteilung.

Es gibt eine Sache, über die ich oft nachdenke. Ich lebe das Leben. Ich würde nicht sagen, dass das Leben derzeit so ist, wie ich es haben möchte. Davon ist es noch weit entfernt. Aber die Tage sind nicht mehr mit der Krankheit gefüllt. Mein Leben ist schwierig, aber ich bin der Boss und entscheide. Die Zeit vergeht, sodass ich gesünder werde und mich meinen Zielen nähere.